· 

Ungewollt kinderlos- wenn dein Lebenstraum ein Traum bleibt

 

Schon als Kind war mein grösster Wunsch eine Familie zu gründen, am liebsten mit etwas 5-6 Kindern. Ich habe viel mit Puppen gespielt und war auch immer für die Anderen da. Helfersyndrom sagt man heute, vielleicht war es auch nur ein buhlen nach Aufmerksamkeit. Meine Eltern führten einen Gasthof und fanden kaum Zeit für mich und meine zwei Geschwister.

In einer der vielen Sommersaisons arbeitete eine Frau bei uns im Service, die ein Baby bekommen hat. Das war wohl mein schönster Sommer, denn ich durfte die Kleine füttern, wickeln, mit ihr spazieren gehen, sie beruhigen wenn sie weinte, einfach total in meinem Element sein. Ich war schon immer der mütterliche Typ und bin es auch heute noch. Damals als Teenager war immer klar, wer von uns drei Kinder als erste eine Familie gründen würde. Mit Männern hat es bei mir ganz lange nicht geklappt, warum auch immer. Das Alleinsein habe ich schon sehr früh gelernt mir war trotzdem nie langweilig. Ich konnte mich auch als Kind schon sehr gut selber beschäftigen. Mein Umfeld behielt recht, ich war die erste Braut von uns dreien. Warum? Liebe? Angst wieder alleine zu sein? Angst unverheiratet schwanger zu werden? Ich habe meinen ersten Freund geheiratet und wir wollten Kinder. Die Pille nahm ich nur in der Zeit ein, bis wir uns entschieden haben zu heiraten, also genau drei Monate. Es kam die Hochzeit und danach wurde ich x-mal und immer wieder gefragt, wann denn der Nachwuchs kommt. Mit jeder Frage ein Stich ins Herz. Wie man so schön sagt, haben wir 4 Jahre geübt. Geklappt hat es nicht und die Sexualität wurde mit jedem Mal mehr zu einer Pflicht. Meine Körpertemperatur hat unser Sexualleben bestimmt, ein absoluter Lustkiller. Mein Zwei-Monats-Zyklus, lies jedes Mal wieder ein bisschen Hoffnung aufkeimen. Wir beide liessen uns untersuchen. Ohne in die Details zu gehen, war die Chance schwanger zu werden bei 25%. Es lag an beiden. Es hätte Möglichkeiten gegeben, aber ich wollte immer nur auf natürliche Weise ein Baby bekommen. Etwas Anderes kam für mich von Anfang nicht in Frage.

Nach alledem haben wir uns entschieden, einen anderen Weg zu gehen und wir eröffneten ein Restaurant. Die Erfüllung für mich, eine Tortur für meinen Mann. So kam es zur Trennung und zur Scheidung und ich habe den Betrieb alleine, mit meinen Mitarbeitern, weitergeführt. Übrigens, die Trennung hat auch meinen Zyklus wieder ins regelmässige Lot gebracht. Der Frauenarzt sagte damals: „Sehen sie nur, was so eine Trennung auslösen kann. Es war wohl nicht der richtige Mann um eine Familie zu gründen“. Womit er vermutlich Recht hatte. Mein Ex-Mann ist jedenfalls Vater von drei Kindern geworden, also war ich vermutlich die falsche Frau. Auf den Blickwinkel kommt es an.

 

Dann ging ich voll und ganz in meinem Beruf auf und der grosse Erfolg half mir über vieles hinweg. Es war ein Betrieb in dem viele LKW Fahrer einkehrten.Mit meiner mütterlichen Art habe ich es geschafft, ihnen eine Art zu Haus zu bieten. Wenn mich jemand fragte ob ich Kinder hätte, habe ich immer geantwortet, dass mein Baby 100 Sitzplätze, 6 Hotelzimmer und eine Kegelbahn habe und dass ich dieses Baby liebe.

Mein Manko in Sachen Männer hatte Nachholbedarf. Es waren aber meist Männer die keine Kinder wollten oder zeugen konnten. Ich lernte meine grosse Liebe kennen, er war allerdings verheiratet und hatte Kinder. Wollte also keine mehr und ging schon nach kurzer Zeit zu seiner Frau und den Kindern zurück. Mit ein Grund für die Trennung war, dass ich die Möglichkeit bekommen sollte, mit einem anderen Mann eine Familie zu gründen. Manchmal ist das Leben schon etwas makaber. Ich habe gelitten und obwohl ich weiss, dass es die einzig richtige Entscheidung war, hat er mir das Herz gebrochen. Er ist heute noch glücklich mit seiner Frau und ich gönne es ihnen von Herzen.

Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr und die tägliche Arbeit von 14 bis 16 Stunden forderte seinen Tribut. Ich entschied mich für einen neuen Weg. Die Kündigung der Pacht und die Auflösung des Betriebes verpufften meine Kraftreserven und ich erholte mich nur schwer davon. In den letzten drei Jahren als Wirtin bekamen drei meiner Mitarbeiterinnen ein Kind. Zwei davon haben mich nicht so sehr berührt, aber das dritte Kind in dieser Phase hat mich nicht nur finanziell ruiniert, sondern auch emotional komplett aus der Bahn geworfen. Ich möchte nicht ins Detail gehen zum Schutze der betroffenen Personen. Seit dem lebe ich alleine und habe sehr tiefe Tiefs hinter mir. Das Kinderlos sein, war für mich aber das Schwierigste. Als Frau hat man doch die Aufgabe Kinder zu kriegen und sie gross zu ziehen. Kinderlos und Single zu sein macht die Menschen stutzig. Ich sei lesbisch und weiss nicht was ich mir noch alles anhören musste. Mir kam dann die Idee einen Job zu suchen, in dem ich meine Kreativität und meine Liebe zu Kindern ausleben kann. Eine Kollegin überreichte mir ein Inserat mit der Anzeige für eine Stelle als Babyfotografin. Tatsächlich bekam ich den Job. Währen 9 Monaten fotografierte ich ca. 1200 Babys. Jeden Tag hatte ich vor Augen und in den Armen was ich selber gerne gehabt hätte. Wie kann man sich so etwas nur antun, aber es war ein Teil meines Loslösungsprozesses. Emotional war ich gestresst und somit kündigte ich und nahm den Job in einer Geburtsklinik als Mitarbeiterin im technischen Dienst an. Obwohl immer noch jeden Tag mein Lebenstraum vor Augen, konnte ich mich immer besser abgrenzen und damit umgehen. Nach 9 Monaten wurde mir gekündigt, mit der Begründung dass dieser Job für eine Frau nicht geeignet wäre. Naja, dies ist wiederum ein anderes Thema.

 

Der Loslösungsprozess von meinem Lebenstraum war damit zum grossen Teil abgeschlossen. Es kam nur noch selten vor, dass ich mit diesem Thema gehadert habe. Ich lernte, alleine zu leben und bin jeden Tag dabei das Leben zu geniessen. Heute bin ich ganz ehrlich sogar froh, dass ich keine Kinder habe. Aber die Liebe zu Kindern bleibt.

 

In all den Jahren war ich auch oft in der Therapie. Meine Therapeutinnen, alles Mütter, konnten nur annährend verstehen, wie es sich anfühlt, sein Leben nicht weitergeben zu können. Wie es sich anfühlt, wenn man an das Älter werden denkt und sich vorstellt nicht mal Enkelkinder im Arm halten zu können.

Etwas erleben und sich in etwas einfühlen zu können sind zwei verschiedene Dinge.

 

Ich versuche in allem was passiert das Gute zu sehen, es ist nicht immer einfach, aber wenn man es erkennen kann, ist es eine Erlösung und man fühlt sich frei.

 

Jeder Frau und natürlich auch jedem Mann gönne ich die Freude ein Kind zu bekommen, zu lieben und aufwachsen zu sehen von Herzen. Für diejenigen die das nie erleben, gibt es mit Sicherheit eine Aufgabe die genauso erfüllend ist. Das Leben macht Sinn, denn der Sinn des Lebens ist das Leben.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Fränzi Bürgler (Donnerstag, 12 April 2018 08:10)

    Hallo Brigitte

    Dieser Blog ist toll geschrieben, und ich wünsche Dir auf deinem weiteren Weg nur das Beste und viel Erfolg